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Heizung kaputt – und nun? Wittener Wärmeplanung gibt Orientierung

Witten, 01.05.2026

In vielen Kellern der Stadt tickt die Uhr: Noch immer werden rund 70 Prozent der Gebäude in Witten mit Erdgas beheizt. Gleichzeitig steht bei mehr als jeder dritten Heizung in den nächsten fünf Jahren altersbedingt ein Austausch an. (1) Viele Eigentümer fragen sich daher: Welche Heizung ist sinnvoll?

Eine wichtige Orientierung liefert die kommunale Wärmeplanung der Stadt, die die Stadtwerke Witten gemeinsam mit zwei Fachbüros erarbeiten. Am 22. April 2026 wurden die zweiten Zwischenergebnisse vorgestellt. Im Mittelpunkt steht ein Zielszenario, das rechnerisch beschreibt, wie Witten seine Wärmeversorgung bis 2040 CO2-neutral organisieren kann.

Abkopplung von Gasversorgung bis 2040

Bis dahin ist kein Erdgas mehr zum Heizen vorgesehen. (2) Die Stadtwerke erarbeiten daher einen Plan, wie der Ausstieg aus dem Gas aussehen kann. Niemand muss sich jedoch Sorgen machen, von heute auf morgen ohne Gas dazustehen. Die Stadtwerke müssen mindestens 10 Jahre im Vorfeld darüber informieren, in welchen Gebieten kein Gas mehr geliefert wird. So hat man mindestens ein Jahrzehnt Zeit, eine alternative und wirtschaftlichere Lösung zu finden. Gas als Auslaufmodell ist zugleich eine Chance: für mehr Unabhängigkeit von Energiekrisen und langfristig stabilen Energiekosten.

Diese Gebiete eignen sich für Wärmenetze

Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Wer heute über eine neue Heizung nachdenkt, sollte auf zukunftsfähige Lösungen statt Gas setzen. Das könnte in einigen Gebieten der freiwillige Anschluss an ein zentrales Nah- oder Fernwärmenetz sein. Dieses versorgt Haushalte mit erneuerbaren Energien etwa aus Luft- und Wasser-Großwärmepumpen oder Erdwärme aus Grubenwasser. Die vorgestellte Eignungskarte zeigt 18 Gebiete in Witten, die sich für ein solches Wärmenetz eignen könnten und nun weiter geprüft werden müssen.

Die Karte zeigt jedoch: Selbst wenn alle Wärmenetze nach weiterer Prüfung umgesetzt werden, machen sie nur 15 Prozent der Wärmeversorgung ausmachen. Das bedeutet: Ein Großteil des Wittener Stadtgebiets ist nicht für eine solche zentrale Wärmeversorgung geeignet ist. Dort empfiehlt die Stadt vor allem Wärmepumpen empfohlen.

Wärmepumpe: Kosten sparen und unabhängiger werden

Immer mehr Menschen steigen bereits jetzt auf Wärmepumpen als klimafreundlichere und wirtschaftlichere Lösung um: Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. (4) Denn im Vergleich zu einer Gasheizung fallen die Heizkosten bei einer effizienten Wärmepumpe laut Analyse von Verivox rund 41 % niedriger aus. (5) Viele ältere Häuser lassen sich auch ohne aufwändige Sanierung effizient mit einer Wärmepumpe beheizen. (6) Zudem unterstützt der Staat den Kauf und Einbau einer neuen, klima­freundlichen Heizung mit umfangreichen Fördermitteln von bis zu 70 %. (7)

Je mehr Haushalte auf effizientere Alternativen umsteigen, desto weniger lohnt sich der Betrieb der Gasnetze. Die verbleibenden Netzkosten verteilen sich dann auf immer weniger Nutzer.

„Eine klimafreundliche Heizung ist daher nicht nur eine ökologische Entscheidung, sondern auch eine wirtschaftliche Vorsorge. Wer früh umsteigt, kann sich gegen steigende Belastungen absichern – und macht sich unabhängiger von den stark gestiegenen Öl- und Gaspreisen infolge der Energiekrisen der letzten Jahre.“ sagt Richard Stanek von WittenZero, eine Projektgruppe der Klima-Allianz Witten e.V.

Grüner Wasserstoff für Industrie vorgesehen

Das Heizen von Gebäuden mit grünem Wasserstoff ist laut Zwischenergebnis der Wärmeplanung nach heutigem Stand unrealistisch – unter anderem wegen unbekannter Kosten und unsicherer Verfügbarkeit. Wasserstoff wird vorrangig für die schwer dekarbonisierbare Industrie benötigt.(8)

„Das deckt sich mit wissenschaftlichen Studien, die zeigen: Da grüner Wasserstoff und Biomethan knapp und teuer sind, wird die geplante Grüngasquote der Bundesregierung das Heizen mit Gas weiter verteuern.“ sagt Achim Teichmann von WittenZero. (9)

Beratungsangebote: Gemeinsam zu mehr Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit

Der anstehende Wandel in der Wärmeversorgung ist mehr als eine technische Umstellung – er ist eine gemeinsame Chance. Wer jetzt auf eine klimafreundliche Heizlösung umsteigt, spart langfristig Kosten und macht sich unabhängiger von Energiekrisen. So entsteht Schritt für Schritt eine sichere, klimafreundliche und zugleich bezahlbare Wärmeversorgung für alle. Hier finden Wittenerinnen und Wittener weitere Informationen und Beratung: